Visions of Atlantis: Videodreh in Slowenien
(Eine Außenstehende berichtet)
Flinke Hände legen mit hektischen Bewegungen Kabel, Scheinwerfer werden gedreht und gewendet, Kameraleute linsen angestrengt ins Objektiv, Visagisten bahnen sich mit Puderdöschen bewaffnet ihren Weg durch den nervösen Haufen und Regisseur bzw. Produzent geben voll unübersehbarer Euphorie gut gemeinte Anweisungen in slowenischem Dialekt (den bekanntlich auch nur Slowenen verstehen). - In all dem Chaos versuchen die Musiker von "Visions of Atlantis" tapfer zu Playback ihre Performances abzuziehen. Die Location- ein verlassenes Hotel am Laibacher Stadtrand- scheint mit all ihren antiken Räumen aus vergangenen Zeiten perfekt für den Dreh des Videos zu ihrem neuen Song "Lost". Extra für die Aufzeichnungen hat das Team der slowenischen Filmgesellschaft Zimmerwände neu gestrichen, barocke Tapeten aufgeklebt, Böden mit Unmengen von herbstlichem Laub und Efeu geschmückt und 40 Tauben in Holzkisten angemietet (was wohl das Herz eines jeden Tierfreundes bluten ließ), die dem Video einen optischen Aufputz geben sollen.

      

Trotz Temperaturen, die an dem Gefrierpunkt kratzen, schafft es der Produzent des Videos, jegliche noch so kleine schauspielerische Kapazität aus den sechs Musikern herauszukitzeln und so erweisen sich sogar die gefürchteten Großaufnahmen der Sänger dank professioneller Anweisung simpler als zuvor angenommen.

Derweilen werden im Hintergrund für die Hauptsession mit allen Bandmitgliedern schon nervös Gitarren gestimmt, Schlagzeugbecken mit vor Aufregung zitternden Gliedern blank poliert und verirrte Tauben mit Hilfe zärtlicher Lockrufe wieder eingesammelt. Nach Klärung der Kleiderfrage- die unterschiedlichen Kolorationen der T-Shirts der Musiker müssen selbstverständlich aufeinander abgestimmt werden- geht es schlussendlich ans Gemeinschaftsposen, was trotz einiger kürzerer Unterbrechungen dank etwaiger Taubenexkremente auf Hosen und Instrumenten in schnellem Tempo vollbracht wird.

Nach über 12 Stunden voller Anstrengung lässt sich allmählich ein aufsteigendes Gefühl von kollektiver Müdigkeit nicht mehr unterdrücken- Kabel werden wieder eingeholt, die letzten Scheinwerfer abgedreht, Kameraleute schleppen sich mit starrem Blick durch die Gänge, und als endlich die letzte Taube in der Holzkiste verschwindet, begeben sich auch die Musiker von "Visions of Atlantis" auf den wohlverdienten Heimweg, in dem Wissen, ihr erstes professionelles, wahrhaft einzigartiges, Video endlich im Kasten zu haben.

(Text: Ina Hollerer)